Mittwoch, 16. September 2015

Manchmal sind kleine Dinge ganz groß.

Absolut untypische Bloggerzeit für die Muddi. Es ist weder früh morgens, noch Donnerstagnacht 00 Uhr 00. Aber heute ist einfach was passiert, wovon ich euch berichten mag.

Ich habe beim vorletzen RUMS schon von der Aktion #bloggerfuerfluechtlinge berichtet und auch auf RUMS stelle ich aktuell jede Woche Aktionen vor, bei denen wir Nähblogger aktiv etwas tun können - helfen können.



Und ja, ich bin der vollen Überzeugung, dass wir helfen müssen. Und dass wir mit vielen, einfachen Dingen helfen können. Sachen, die uns vielleicht im Moment noch gar nicht bewusst sind. Mir machen diese Menschen Angst, die die Flüchtlinge ablehnen. Mir macht Angst, dass einige so voller Hass und Unsicherheit stecken, dass sie alles Fremde ablehnen. Und mir macht es noch mehr Angst, wenn alle dazu schweigen. Das ist ein Grund, warum ich die Aktion #bloggerfuerfluechtlinge so toll finde. Dort wird nicht gegen die Hetze gehetzt, dort wird einfach geholfen. Über 2000 Blogger sind bereits in dieser Gruppe und unzählige Aktionen wurden geteilt, Ideen, Erfahrungen. Und immer denke ich am Ende: Toll. Toll, dass jemand DIESE Idee hatte und es angepackt hat. 

Und ich kann nicht verstehen, warum viele so dagegen sind. Dagegen, dass geholfen wird. Wem geht es denn faktisch schlechter, nur weil viele Flüchtlinge kommen? Uns fehlen Fach- und Arbeitskräfte an allen Ecken und Enden, von unserer demografischen Entwicklung wollen wir mal gar nicht reden. Unser heiliges Christentum und auch unsere Sprache leben interessanterweise die am wenigsten, die am lautesten rum schreien. Wovon sollte ich mich denn bedroht fühlen? Klar, wir müssen das jetzt organisatorisch hinbekommen, keine Frage, das ist nicht von heute auf morgen getan! Das wird uns etwas beschäftigen. Aber bedroht uns das?

Kleine Anekdote am Rande, ich habe sie gestern erst meinen Freundinnen erzählt. Ich kann nämlich durchaus verstehen, dass man Fremde und Fremdes irgendwie unheimlich findet. Aber die Monster im Schrank sind schon damals nicht verschwunden, wenn man den Schrank zu gelassen hat. Die waren immer erst weg, wenn ich aufgestanden bin, rein geschaut und festgestellt habe: Da SIND gar keine Monster. 
Das hat sich nicht geändert. Wir leben hier in einer kleinen Gemeinde auf dem Land. Von Erstaufnahmezentren, Zügen, die ankommen, davon lese ich nur. Aber Flüchtlinge sind hier auch untergebracht, schon sehr lange. Ich sagte es schon mal, ich bin stolz darauf in einer Gemeinde zu leben, wo die Bevölkerung anpackt, wo der Heimatverein völlig selbstverständlich Deutschunterricht organisiert, wo die Verwaltung nicht nur verwaltet, sondern hilft wo sie kann. Ich schweife ab -ihr kennt das schon. Auf jeden Fall wurden die Flüchtlinge, die zum Teil in den Bauernschaften der Gemeinde untergebracht sind, direkt von der Gemeinde mit Fahrrädern ausgestattet. Nun kamen mir auf dem Weg von der Arbeit nach Hause plötzlich fünf Syrer (die Nationalität habe ich nur spotan angenommen) entgegen. Dunkle Haut, dunkle Haare, noch dunklere Augen. Huch! 
Ich habe mich erschrocken, so dunkel sind wir selbst im Sommer nun mal nicht. Und ja, einen  Moment war mir das unheimlich! Genau bis zu dem Moment, wo alle fünf fast gleichzeitig mit einem fröhlichen MOIN grüßten und an mir vorbei fuhren. Ich habe wirklich lauthals losgelacht - vor allem über mich selbst. Wenn man genau hinschaut, ist da nämlich plötzlich gar kein Monster mehr.

Seit dieser Erfahrung überlege ich, was wir hier vor Ort tun können. Wo wird Hilfe gebraucht? Nach den fürchterlichen Bildern des kleinen Jungen habe ich mich das noch mehr gefragt und bin dem zuständigen Gemeindemitarbeiter und dem Bürgermeister wieder auf den Keks gegangen. Aber hier ist offensichtlich vorerst alles in Ordnung, eventuell, wenn weitere Flüchtlinge in den Landkreis kommen, dann wäre bestimmt wieder Hilfe gefragt.

Und dann war es ein Flüchtling selber, der einen Wunsch äußerte. In unserer regionalen Tageszeitung erschien ein Bericht über einen syrischen Mathelehrer, der nun hier in Lastrup wohnt. (Er wünscht sich übrigens auch, an der Uni in Vechta eine Vorlesung halten zu dürfen. Sollte hier jemand mitlesen, der da was machen kann, dann melde er oder sie sich bitte! Das war aber nicht der Wunsch, den ich meinte.) Der junge Mann hat sich schlichtweg eine Tageszeitung gewünscht. Er wünschte sich eine Zeitung, um seine Deutschkenntnisse zu vertiefen und gleichzeitig etwas über die Gegend zu erfahren, in die das Schicksal ihn nun verschlagen hatte. 

BÄHM.

Was für ein genialer Wunsch ist das denn bitte?! Und wie einfach! Eine Zeitung, deutsch lernen, etwas über die Gemeinde erfahren - DAS ist Integration, wie sie besser kaum unterstützt werden kann. Eine Woche habe ich gegrübelt, dann habe ich einfach bei unserer Münsterländischen Tageszeitung angefragt und eine Mail an einen wortgewitzten und unheimlich tollen Redakteur (DANKE!! ♥) gesendet. Dieser hat mein Anliegen an die entsprechende Stelle weitergeleitet. Ich glaube, kaum einen Tag später hatte ich eine Antwort und ein tolles Angebot für Zeitungspatenschaften - so habe ich das jetzt mal genannt. Wieder mit der Gemeinde telefoniert, welche Häuser, wollen alle überhaupt, macht das Sinn? Zwei konnten direkt angefragt werden, die wollten! Und die beiden Patenschaften haben wir dann hier direkt übernommen (Danke Papa, dass du immer jeden Kram mit mir mit machst, vor allem, wenn es darum geht, jemandem zu helfen! ♥) und die anderen drei Häuser bekommen wir auch noch versorgt, wenn die Jungs denn eine Zeitung haben wollen. Wer Interesse daran hat, eine Patenschaft zu übernehmen, darf sich gerne bei mir melden.

Nehmt die Idee mit, verteilt Bücher, Zeitungen und vor allem Zeit! 
Denn der zuständige Gemeindemitarbeiter hatte vor allem eine Idee, was wir alle tun können:

Einfach mal hingehen und mit den Menschen reden.


Ich habe mich bisher gedrückt davor. Ich habe Angst vor dem, was diese Menschen berichten könnten. Aber was muss ich da schon aushalten, im Zweifelsfall, verglichen mit dem, was diese Männer wirklich erlebt haben? Nichts. 


Es sind dieser Tage die kleinen Dinge, die die Welt besser machen. 
Lasst euch nicht aufhalten von euren eigenen Bedenken, besorgten Hetzern, dummen Sprüchen. Macht einfach mal was Gutes und lasst Erfahrungen zu. Fragt bei Verlagen, Zeitungen, Firmen, Privatmenschen einfach mal nach, wenn ihr eine gute Idee habt. Die meisten Ideen finden wir nämlich nicht alleine gut und viele lassen sich begeistern für eine Sache.

Danke an dieser Stelle noch mal an die Münsterländische Tageszeitung, die so spontan diese Idee unterstützt hat.


Wir fangen grade erst an! #bloggerfuerfluechtlinge


Und ja, ich meine das genau so, wie ich das hier schreibe. Wer mich jetzt für ein verwöhntes Träumerle hält darf das gerne tun. Ist mir wumpe, ich finde es genau so richtig. Und ich sehe wie großartig sich gute Ideen vermehren, darum erzähle ich hier auch von dieser!

Kommentare:

  1. Danke! Zeitung - auf die Idee bin ich noch nciht gekommen!
    Nenne dich nicht arm, wenn deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat... Marie von Ebner Eschenbach

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  2. Ich find's klasse!

    Die Idee mit der Zeitungspatenschaft, deinen Einsatz, den Einsatz von #bloggerfuerfluechtlinge und den Einsatz all der unermüdlichen Helfer, die überall einspringen, wo die offiziellen Stellen zu lange für die Organisation brauchen.

    Danke Sarah ♡

    Liebe Grüße

    Sabine

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  3. Eine grandiose Idee :o) Das werde ich doch gleich mal bei unserer Zeitung anregen. Mal sehen, wie sie reagieren, ansonsten würde mir noch unser Gemeindeblatt einfallen, das erscheint monatlich, wäre interessant ob das auch die Haushalte erhalten, wo Flüchtlinge untergebracht sind.

    Ansonsten werden wir, zur Entlastung Münchens ein "Drehkreuz", da dann die Flüchtlinge nur kurzzeitig in Hallen untergebracht werden um dann auf andere Bundesländer "verteilt" zu werden, wird da eine Zeitung leider wenig Sinn machen...

    Danke für Dein Engagement und Deine Idee ♥

    Ganz liebe Grüße
    Evelyn

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  4. Wow, das find ich aber mal megasuper! Wirklich eine gute Idee, und so gut für alle Beteiligten. Ich freu mich, für die Jungs und für euch. Für die Idee! Fürs Machen. Fürs Du-Sein <3.

    Alles Liebe
    Luci

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  5. Wenn du was machst dann richtig! :-) Hut ab! Du bist wirklich wunderbar! Mehr will ich dazu gar nicht schreiben, ich lass das jetzt mal auf mich wirken! :-)
    Allerliebste Grüße
    Biggi

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  6. Danke für deine Zeilen für diesen Post... und das mit der Zeitung ist eine prima Idee... danke Sarah <3 liebst Emma

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  7. Großartig!!! Toller Einsatz, so einfach und so wirksam. :-) Daumen hoch!!

    Lieber Gruß
    Steffi

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  8. <3 Bei dir kommen Herz und Verstand und Möglichkeiten zusammen, die einfach immer zu einem tollen Ergebnis führen, liebe Sarah!!!
    Ich hatte Gänsehaut beim Lesen und habe auch gelacht!!
    Ganz, ganz liebe Grüße,
    Sabine

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  9. Danke! Ich war dann mal so frei und habe die Idee abgekupfert :o)

    Alles Liebe ♥
    Nadine

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  10. Ja, liebe Sarah, so ähnlich wie dir gehts mir auch (wenn es keinen Fernseher und Internet gäbe, würde ich von der Flüchtlingskrise garnix mitkriegen. Null.) und ich bin schon seit Wochen an einem Post (und an der Frage: Wie helfen?) am rumgrübeln.
    Vielleicht kriege ich ja das eine und das andere auch noch auf die Reihe.
    Schön, dass du so offen und pragmatisch bist.
    Ganz liebe Grüße!
    Doro
    Ganz herzliche Grüße

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  11. Mir wird grad wieder mit voller Wucht bewusst WIE froh ich bin DICH zu einer meiner besten Freundinnen zählen zu dürfen!!!
    DU BIST TOLL!!!! ♥♡♥

    Ich drück dich mal gaaanz dolle!!! ♥

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  12. Ich glaube der Satz war jetzt grad ziemlich wirre...aber du verstehst mich schon! ;)

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Muddi kann nicht diskret - ihr braucht Euch also auch nicht bemühen. ;o) Ich freu mich über Eure Worte!